Das Haus als Kraftwerk

In der nächsten Ausgabe der agzente+ geht es „anders wohnen in Ulm“. In Zusammenarbeit mit Thomas Dombeck haben wir daher das Thema „das Haus als Kraftwerk“. Und weil es so ein spannendes Thema ist, gab es am 14. Februar auch gleich eine Sondersendung im Radio dazu. Eine schöne Sache für die regionale Energiewende und auch für die Lokale Agenda. Danke auch an Michael Troost, der die Sendung moderiert hat. Die komplette Sendung hier: https://www.freefm.de/node/27322

Wolf Probst Radio free fm

 

Die Solaranlage auf dem eigenen Dach ist inzwischen verbreiteter Standard. Rund 7 – 8 % unseres Strombedarfs in Deutschland wurden 2017 bereits durch Photovoltaik (PV) gedeckt (Quelle: Fraunhofer ISE). Spezialisierte Handwerksbetriebe, sogenannte Solateure, installieren PV-Anlagen praktisch im Akkord und bieten Solarmodule zu günstigen Preisen an.  Solaranlagen sind mittlerweile fast für jeden erschwinglich.

Warum aber erst ein fertiges Dach konstruieren und die Solaranlage mühsam draufsetzen? Besonders für Neubauten bietet die gebäudeintegrierte Photovoltaik (GIPV) interessante Perspektiven. Statt herkömmlicher Dachziegel werden z.B. Solarmodule direkt auf die Latten gesetzt und bilden gleichzeitig die wasserableitende Schicht (Bild). Multifunktionale Elemente ersetzen bei der GIPV ganze Bauteile und übernehmen unterschiedliche Funktionen wie Beschattung, Witterungsschutz, Wärmedämmung oder Fenster. So wird das Gebäude selbst zum Kraftwerk. Als Dach- oder Fassadenelement tragen Solarmodule auch zur Ästhetik am Bau bei, z.B. durch spiegelnde Glasflächen, wie bei der Indach-Anlage einer Schule im schwäbischen Bad Buchau (großes Bild oben). Hier ist vor allem die Kreativität der Bauherren und Architekten gefragt. Auch geschwungene oder farbige Flächen sind dank moderner Dünnschicht-Solarzellen auf Kunststoff- oder Metallfolien möglich.

Wolf Probst, selbstständiger Gebäudeenergieberater PV-Berater und Bauphysiker aus Ulm, ist sicher: „Aktiven Bauteilen gehört die Zukunft. Herkömmliche Fassaden kosten Geld, tun aber nichts. Man sollte den Platz am Gebäude aktiv nutzen. Die Mehrkosten rentieren sich eigentlich immer.“ Return of Invest: Nach heutigem Stand amortisieren sich die Anlagenkosten durch Stromeinsparung bzw. -einspeisung nach spätestens 10 bis 20 Jahren. „Und PV-Dächer sind sehr langlebig.“ Potenzial bietet sich genug: Nach Berechnungen (Quelle??) => weiß ich leider nicht. Ich habe das mal auf einem Fachvortrag gehört. Vielleicht passt die Formulierung: „Nur ein Bruchteil aller Dächer in Deutschland…. würde es reichen, wenn nur 10 % der solargeeigneten Dachflächen durch PV genutzt würden, um den gesamten Strombedarf in Deutschland zu decken.

Der Einsatz PV-aktiver Bauteile rechnet sich. Rund 12 Cent pro kWh beträgt die Einspeisevergütung für kleine und mittlere PV-Anlagen, die 2018 gebaut werden (garantiert auf 20 Jahre). Sinnvoll ist es, zunächst den eigenen Strombedarf zu decken um Energiekosten zu sparen und nur den Überschuss einzuspeisen. Auch für dachintegrierte Solaranlagen können oft günstige Standard-Module verwendet werden. Für Wolf Probst ist dies in Ulm momentan sogar die günstigste Möglichkeit, zu einer eigenen Solaranlage zu kommen. Grund ist das aktuelle „Förderprogramm Energie“ der Stadt, das speziell gebäudeintegrierte Solaranlagen bezuschusst. „Die Stadt Ulm fördert die GIPV mit derzeit 500 Euro pro kWp, so dass die Betreiber rund ein Drittel der Anlagenkosten sparen.“ Außerdem gibt es von der KfW vergünstigte Kredite für Erneuerbare Energien (KfW 270). Viele Gründe, um sofort einzusteigen.

Leider sieht die Realität noch ganz anders aus. Viele Planer, Architekten und Handwerker scheuen den Aufwand für Einzellösungen, um geeignete Lieferanten zu finden, PV-Bauteile zu integrieren und passende Übergänge oder Dachüberstände zu schaffen. Bei Neubauten kann man das Gebäude entsprechend der verfügbaren Bauteile dimensionieren, wenn auch mit etwas höherem Planungsaufwand. Aufwändiger ist es meist bei der Sanierung von Altbauten. Immerhin finden 90 % des Solarzubaus im Bestand statt. Aber auch da lassen sich kreative und wirtschaftliche Lösungen finden. Spezialisten wie Wolf Probst helfen gerne weiter.

Thomas Dombeck, Fotos: Wolf Probst (wolf-probst.de)

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